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Kommentar: „Faulheit ist ein Privileg“ - Die „“-Kampagne zeigt die Ignoranz der Bundesregierung für die Lebensrealität der Armen und Weiterarbeitenden!

Mit drei Imagevideos für junge Leute versucht die Bundesregierung die Bevölkerung zum zu Hause bleiben zu bewegen. Die Videos im Katastrophendokustil unter dem zeigen jeweils alte Menschen in der Zukunft, die melancholisch auf die Corona-Pandemie im Jahr 2020 zurückblicken.¹ ² ³
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Die als „Helden“ inszenierten Protagonisten, rühmen sich rückblickend, damals nichts getan zu haben und einfach zu Hause geblieben zu sein. Alleine damit hätten sie als Helden die Corona-Pandemie eingedämmt.

Das Privileg zu Hause rumzuliegen und sich zu isolieren haben allerdings nur wenige Menschen in unserer Gesellschaft. Bereits im Jahr 2016 waren 860.000 wohnungslos.⁴ In der Corona-Krise stieg diese Zahl wohl deutlich an. [2/x]

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Zahlen über Wohnungs- und Obdachlosigkeit werden in Deutschland öffentlich nicht erhoben. Seit Jahren behaupten vor allem Vertreter:innen der CDU/CSU eine offizielle Zählung sei nicht machbar oder schlicht zu teuer.

Zudem fühlen sich viele Menschen in den eigenen vier Wänden nicht sicher. Besonders Frauen und Kinder leiden unter häuslicher Gewalt. Am 2. November berichteten wir über die Lage in den Würzburger Frauenhäusern.⁵
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Seit 2011 gab es nur zwei Jahre (2013 und 2016) in denen das Würzburger Frauenhaus nicht voll- oder überbelegt war. Alleine 2019 konnten 68 Frauen wegen Überbelegung nicht aufgenommen werden.

Außerdem verschärft Corona das weitverbreitete und tabuisierte Problem der Einsamkeit. Die Kontaktbeschränkungen und das fehlende soziale Leben verstärken psychische Krankheiten. In den Video wird gezeigt, wie die „Helden“ Fastfood vor dem Computer oder auf dem Sofa essen.
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Dabei wirken schlechtes Essen und mangelnde Bewegung zusätzlich negativ auf die Gesundheit.

Die Menschen, die den „Laden am laufen halten“ werden in den Videos konsequent ignoriert. Dabei sind es Arbeiter:innen auf dem Bau oder in der Industrie, Verkäufer:innen im Einzelhandel, Reinigungskräfte, Busfahrer:innen, Lieferant:innen, medizinisches Personal oder Menschen in Pflegeberufen, die weiterhin täglich an ihre Grenzen gehen müssen.
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Erst sie ermöglichen es anderen zu Hause bleiben zu können. Sie setzen sich täglich den Gefahren einer Ansteckung aus und arbeiten durch Corona-Schutzmaßnahmen oder Quarantänemaßnahmen von Kolleg:innen unter erschwerten Bedingungen. Und nach Feierabend wird diesen Menschen, die auf der Arbeit viele Kontakte haben müssen, untersagt sich mit ihren Freund:innen oder ihrer Familie zu treffen.
Auch die Schüler:innen dürfen sich lediglich mit eine:r Klassenkamerad:in nach dem Unterricht treffen. [6/x]

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Im Unterricht sitzen sie zuvor stundenlang in viel zu großen Klassen nebeneinander. Außerdem betreffen die Maßnahmen Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften viel zu hart. Am 16. November berichtete die asylpolitische Gruppe mehrals16a aus einer Ochsenfurter Gemeinschaftsunterkunft, dass seit Anfang November eine verpflichtende Quarantäne für alle Bewohner:innen der Unterkunft gilt.⁶ Die Menschen dürfen nicht einmal Essen, Hygieneartikel oder Medizin einkaufen.
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Stattdessen mangelt es an Hygieneartikeln und sogar an richtigem Essen in der Unterkunft. Dabei wurden alle Bewohner:innen in Ochsenfurt negativ auf das -Virus nachgetestet.

In den Videos der Bundesregierung spielen diese Lebensrealitäten keine Rolle. Stattdessen greifen sie auf den mythischen Begriff der „Helden“ zurück und bezeichnen gerade jene als Helden, die das Glück haben, daheim chillen zu können.
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Der Heldenbegriff reiht sich ein in die Kriegsrhetorik mit der die Videos durchzogen sind. „Unsere Couch war die Front, und unsere Geduld war die Waffe“, heißt es etwa in einem der Propagandavideos. Doch wir in Deutschland leben zum Glück nicht im Krieg.

Statt die benannten Probleme sozialer Ungleichheit anzugehen, investiert die Regierung lieber Geld in Imagevideos, welche eine Verhöhnung für viele Menschen darstellen.
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Ähnlich verhielt es sich bereits mit der Image-Serie der Bundesregierung, die Menschen motivieren sollte, in weiterhin schlecht bezahlte Pflegeberufe einzusteigen. Für wurden 700.000 Euro ausgegeben. Durch die klischeebeladene Serie fühlten sich viele Menschen, die in den extrem anspruchsvollen Pflegeberufen arbeiten, abgewertet.

Propagandavideos der Bundesregierung:
¹ youtube.com/watch?v=BpYZvtmkGw
² youtube.com/watch?v=krJfMyW87v
³ youtube.com/watch?v=UH1757U0ae
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⁴ Obdachlosigkeit in Deutschland:
zeit.de/wirtschaft/2019-02/obd?

⁵ Bericht über Lage in den Würzburger Frauenhäusern:
masthead.social/@schwarzlicht/

⁶ Bericht über Lage in Gemeinschaftsunterkunft:
facebook.com/mehrals16a/posts/

Schwarzlicht Würzburg: „Kommentar zu den Corona-Regeln: Die Pandemie im Kapitalismus führt in eine dystopische Gesellschaft!“
masthead.social/@schwarzlicht/

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@schwarzlicht wie mans macht, irgendeinem passts immer nicht :D

@schwarzlicht

Aber kleiner Joke, was , wenn das mal alle wörtlich nehmen würden? Generalstreik! 😉

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