Vorgestern, am feministischen Kampftag, mobilisierten die Würzburger Gruppen MissMutig, Antifa Würzburg, @EGwuerzburg @kleinnizzawue Seebrücke Würzburg, @Gegen_Gewalt Feministisches Theaterkollektiv und Schwarzlicht Würzburg, um 17 Uhr zu einer Tanzdemo, die am Hauptbahnhof begann. Schon kurz nach 17 Uhr waren 400 Menschen vor Ort, welche sich alle an die FFP2-Maskenpflicht hielten. 1/x

In der Auftaktrede hörte mensch unter Applaus: “Unsere Revolution muss feministisch sein, oder sie wird scheiße.” Queer Pride Würzburg thematisierte anschließend wichtige lesbische Persönlichkeiten in der historischen Frauenbewegung. Auch 100 Jahre später betrage der Frauenanteil im Bundestag 31% und bei den Minister:innen gäbe es heute nur zwei Frauen, das könne so nicht bleiben. 2/x

Es wurde eine Ergänzung des Artikel 3 des Grundgesetzes um die sexuelle Identität, eine Beendigung der Gender-Pay-Gap, Kampf gegen Sexismus und eine Ende der Transfeindlichkeit gefordert. Anschließend wurde ein Brief von Wildwasser e.V vorgelesen. Der Verein engagiert sich für flinta* Personen, die von Gewalt betroffen sind. Dieser Kampf für ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt, so hieß es, finde nicht nur am 8.März statt. 3/x

Anschließend zog die Demo mit Musik vom Bahnhof über die Juliuspromenade los, wo die Zahl der Demonstrierenden schon auf ca. 500 angewachsen ist. Am Mainkai angekommen, beobachteten auch viele Schaulustige von der Alten Mainbrücke aus den Demozug, welcher weiter an den Unteren Markt zur Abschlusskundgebung zog.

Dort hielten Aktivistinnen der Seebrücke Würzburg eine Rede, mit der sie den „weißen Feminismus“ hinter sich lassen wollten. 4/x

Sie erzählten die Geschichte von Zeynep, einer türkischen Akademikerin, die Widerstand gegen Erdogans Regime leistete. Hier angekommen, arbeitet Zeynep wieder an der Universität. Dort bekäme sie Fragen wie „Wie du wohnst in Schöneberg? Ist es nicht teuer da?“ zu hören, obwohl sie das Gleiche verdiene wie ihre deutschen Kolleg:innen. Subtil zeige ihr dies, dass die Mehrheitsgesellschaft sie lieber in einer migrantischen Nachbarschaft wohnen sehen möchte. 5/x

Danach erzählten sie die Geschichte von Fatou, die von Securitys im Bamberger Anker-Zentrum bedroht und in der Toilette geschlagen wurde. Anschließend berichteten sie von einer Ex-Muslima, die aus Saudi-Arabien fliehen musste, da sie dort „wie eine Sklavin behandelt“ werde. Sie floh nach Deutschland, da sie als Ex-Muslima nie wieder nach Saudi-Arabien zurückkehren könne. Hier lebe sie in einem Heim, das alles andere als ein sicherer und schöner Ort für sie ist. 6/x

Die unmenschlichen Unterbringungsbedingungen in deutschen Sammellagern führe bei ihr zu Depressionen und Suizidgefahr.

Die Rednerinnen knüpften an diese Biografien an und thematisierten die Situation von Frauen auf der Flucht. Oft flöhen sie vor patriarchaler Gewalt in ihren Heimatländern. Auf der Flucht werden sie häufig wieder Opfer von sexualisierter Gewalt. „In Europa angekommen, werden sie in Sammelunterkünfte gesteckt“, kritisierte die Rednerin. 7/x

Dort lebten sie ihr Trauma erneut durch. „Menschenrechte scheinen wohl nicht für alle zu gelten. Auch nicht in Europa“, bedauerte sie. Europa müsse die Menschenrechtsverletzungen einstellen. „Wir fordern ein Ende des Patriarchats und des Rassismus.“

Im Anschluss wurden Stühle aufgebaut und Schauspieler:innen des feministischen Theaterkollektivs Würzburg präsentierten ein Stück zu den Themen „My Body – My Choice“ und der Illegalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. 8/x

Die Zuschauer:innen knieten kollektiv, um jeder:m die Sicht auf die Schauspieler:innen zu ermöglichen. Sie forderten, „Grenzen zu respektieren“ und kritisierten deutlich den immer noch im Strafgesetzbuch aufgelisteten „Abtreibungsparagraphen“, der von Männern geschaffen wurde, um Frauen in ihrer Selbstbestimmung einzuschränken.

Darauffolgend hielt Antifa Würzburg eine Rede zur Rolle der Frauenbewegung in Rojava. 9/x

So ist diese beispielsweise in Form der Frauenverteidigungseinheiten, der Frauenwissenschaften an den Universitäten sowie eigenen Komitees der Selbstverwaltung ein zentraler Bestandteil des alternativen Gesellschaftsentwurfs und stellt so die besonders patriarchalen Gegebenheiten im Nahen Osten grundlegend in Frage.

Ende Gelände Würzburg thematisierte die Zusammenhänge von Klimakrise, Kapitalismus und Patriarchat. 10/x

Die meisten Menschen würden unter diesen Strukturen leiden, während nur wenige Menschen von Luxus und Macht profitierten.

Danach steppte MC Ellebogen ans Mic. Der Auftritt sorgte für gute Stimmung trotz der ernsten Texte, der Applaus der etwa 300 Verbliebenen am Unteren Markt war groß.

Es folgte die Rede von MissMutig, welche den Zusammenhang zwischen patriarchaler Macht und Staatsgewalt adressierte. 11/x

Da der Staat unter patriarchalen Interessen geformt wurde, würden Reformen das Problem nicht vollständig lösen können. Dies mündete in der Feststellung, dass der Queerfeminismus auf die Abschaffung von Staatlichkeit abzielen sollte.

Danach thematisierte eine Rednerin den tragischen Mord an Sophia Lösche, die in Bamberg politisch aktiv war und sich gegen Rassismus und für Sozialpolitik engagierte. Sie wurde im Juni 2018 durch einen LKW-Fahrer aus Marokko ermordet. 12/x

Die öffentliche Debatte um ihren Tod war geprägt von rassistischer Hetze. „Sophia war voller Vertrauen in die Welt und setzte sich immer gegen Rassismus ein“, sagte die Rednerin. „Doch ihre Ermordung wurde bei einer extrem rechten Demonstration in Chemnitz durch Rechtspopulisten instrumentalisiert“, fuhr sie fort. Sophia sei kein Opfer der Einwanderungspolitik gewesen, sondern sei aufgrund ihres Geschlechts umgebracht worden. „Sophia war ein Opfer von Gewalt von Männern gegen Frauen.“ 13/x

Danach leerte sich der Untere Markt aufgrund der zunehmenden Kälte. Ein Mann übte Männlichkeitskritik und verurteilte den Sexismus von Männern. Im Anschluss beendete die Veranstalterin die Demonstration und rief zur letzten Tanzeinlage des Abends auf. 14/14

Ein weiterer Nachtrag: es hieß an dieser Stelle nicht „Frauen“, sondern „Menschen mit Uterus“

Nachtrag: wie in der Rede auch korrekt genannt, soll es „Ministerpräsident:innen“ heißen, nicht „Minister:innen“.

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